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Die alleinige Wahrheit, der verlorene Ausdruck

Wo ist meine Muse?

Zu den Anfängen von Instagram, als ich 2013 durch Spanien reiste, war Instagram wie mein Foto-Reisebuch. Nur dort konnte ich meine Fotos bearbeiten. Eine Collage meines Lebens. Mein persönliches Fotoalbum. Interessiert hat das eine Handvoll Freunde. Mit der Zeit begann ich zu schreiben – Gedanken, untermalt von Bildern.

Dann kam der Algorithmus. Texte mussten eine Frage an die Community enthalten, Mehrwert bieten, für mehr Traffic und Reichweite. Dann waren es Hashtags. Jetzt Keywords. Wir mussten einmal die Woche posten, Stories, Reels, Reichweite – sich zeigen, sichtbar sein, erzählen.
Was habe ich schon zu sagen? Und wen sollte das interessieren?

Zurück blieb das Verstummen. Innerliches gegen Wände atmen. Ein fehlender Ausdruck und das Gefühl, es nicht „richtig“ machen zu können. Der Versuch, Mehrwert zu schaffen, hat die Kreativität erstickt.


Yoga war eine tiefe Erfahrung von Verbundenheit. Von Sinn. Vom Eins-Sein. Das Wachsen von Selbstliebe und der Drang, diese Begeisterung zu teilen.
Die erste Yogalehrerausbildung war anatomisch. Philosophie und Spiritualität am Rande. Fokus auf Asana und Ausrichtung.

Dass ich hörte: „Was, du weißt nicht, was Bandhas sind? Was ist das bitte für Yoga?!!“ war nur der Anfang.
Nur wenn du in Indien warst. Nur wenn du weißt, was Mantra ist. Nur wenn du Pranayama unterrichtest. Sanskrit-Studium wäre schon gut. Ausschließlich Asana ist Sport, Sport ist kein Yoga, was ist das richtige Ashtanga, was das originale Iyengar, Vinyasa geht auf die Gelenke, den Kopfstand unterrichtet man nicht mehr, alles nur Geldmache, Konkurrenz und Missgunst, nur wer im Flow ist, liegt richtig …

Perfektionismus und Urteil.
Verbundenheit wird zu Theorie und erstickt den Atem.
Aus Weite entsteht Enge. Begeisterung verkommt zum Schweigen.


Mit Pilates fing für mich alles an – noch vor Yoga – mit dem Wissen, dass der Körper mehr braucht. Die Erfahrung von Stabilität und Veränderung, die ersten Momente des Unterrichtens. Ein Weg, der ungefähr 2009 begann. Auf das Interesse an Anatomie folgten zehn Jahre ausschließlich Yoga. Allmählich eine Erinnerung, eine sanfte Begeisterung – da war doch etwas ganz zu Beginn…

Ein Zufall ergab sich. Eine Weiterbildung. Am Puls der Zeit. Menschen, die mich fördern. Ein neues Studio. Ein neuer Weg. Begeisterung erwacht aufs Neue.
Leben ist Bewegung. Leben ist Entwicklung. In Zyklen, nicht linear.


Die Aufforderung, sagen zu müssen, dass ja Pilates vor Yoga war.
Nicht nur ein Trend, auf den ich springe. Nicht nur Geldmacherei.
Ich verrate das Yoga nicht – ich komme zurück zu den Wurzeln.

Doch das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen.
Darf nicht beides existieren?
Warum muss ich mich entscheiden?
Und warum würde es beurteilt werden, wenn ich mich ganz neu entscheide?

Das erste Posting in der anderen Welt von Social Media entdeckt:
„Was ist die originale Pilates-Methode?“
Die ersten Stimmen: klassisches Pilates, modernes Pilates – und nur das eine wird anerkannt.
Das andere ist nur noch Turnen.
Wir sind die Echten…


…Was sind das für Fragen?

Die echten Yogis?
Die echten Lehrer:innen?
Die echten Feminist:innen?
Die echten Erwachten?
Die echten Männer?
Die echten Nachhaltigen?
Die Echten, die Woken, die Bewussten, die, die es besser wissen und die, die es verstanden haben?

Wer entscheidet, wer „echt“ ist – im Glauben, im Körper, im Sein?
Freude erstickt im Ursprung. Kreativität verstummt.
Kriege aus Überzeugung um die eine Wahrheit. Überhöhung auf Kosten der anderen.
Urteil aus Angst, aus dem Rahmen zu fallen.
Die Masse versteckt sich in der Anonymität.
Frage und Überzeugung werden in den Boden gestampft.


Ich mach da nicht mit. Ich muss mich nicht entscheiden.
Ich liebe, was ich tue.
Ich pfeif auf den Algorithmus und lehre Yoga, wie ich es verstehe.
Ich ändere meinen Weg, wenn es Zeit ist – für mich.
Ich sprühe vor Begeisterung für Bewegung.
Lass mich nicht festnageln.
Will nicht mehr reinpassen.
Nehme die Polarität in Kauf, um meine Wahrheit zu leben.
Mach mich auf die Suche nach meiner Essenz.
Finde die Kreativität auf diesem Weg. Sicherlich.
Ich pfeif auf richtig und falsch, lebe meine eigene Farbe.
Bewege mich in meinem ganz eigenen Klang.
In wachsender Offenheit für alle anderen Lebensmodelle.
Lerne, für das einzustehen, was ich erkennen kann.
Stelle mich hin. Werde sichtbar.
Denn Schweigen ist keine Option.
Ich lasse nicht zu, zu ersticken.
Ich wachse in Zyklen.
Komme zurück.
Und finde mich dort vollkommen neu.


Inspiriere das Leben.
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